Hygienekonzept: Wer krank ist, muss draußen bleiben?

In so manchem Hygienekonzept, das derzeit mit Blick auf das Wiederanlaufen der Veranstaltungen in Vorbereitung ist, liest man den Satz:

“Keinen Zutritt erhalten Personen, die Symptome einer Corona-Erkrankung zeigen (wie zum Beispiel Fieber, Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, Niesen, Schnupfen, Muskel- und Gelenkschmerzen)”

Diese Regel soll für Besucher wie für Mitarbeiter und Mitwirkende gelten. Und man möchte damit Infektionsketten vorbeugen. Was sich auf den ersten Blick als gute Maßnahme anhört, birgt aber einige juristische Probleme, z.B.:

  • Nehmen wir als Beispiel einen Bühnenbauer. Er kann seine Bühne nicht pünktlich fertigstellen , weil die Hälfte seiner Mitarbeiter hustet, schnupft oder Halsweh hat. Ist das dann Höhere Gewalt, weil der Staat oder ein branchenweit abgestimmtes Hygiene-Konzept die Mitarbeit verbieten? Oder riskiert der Bühnenbauer Schadenersatzansprüche gegen sich, wenn er Mitarbeiter vorsorglich zu Hause lässt?
  • Würde denn ernsthaft bspw. ein Projektleiter zu Hause bleiben und die Veranstaltung gefährden, wenn er hustet? Würde sein Arbeitgeber das akzeptieren, wenn durch das Fernbleiben zigtausende Euro Schaden drohen?
  • Kann der Besucher, der Halsschmerzen hat, sein bereits bezahltes Eintrittsgeld zurückfordern? In einigen Vorschlägen für Hygienekonzepte wird dem Veranstalter empfohlen, kulanterweise das Eintrittsgeld zurückzubezahlen. Das macht zwar Sinn, entzieht dem Veranstalter aber schnell seine Kalkulationssicherheit.
  • Wenn der Veranstalter aber nichts zurückbezahlt oder den Bühnenbauer in die Pflicht nimmt? Wird dann ein erkrankter (muss ja nicht mal eine Erkrankung durch Corona-Virus sein) Besucher oder Mitarbeiter ehrlich genug sein?
  • Im Zuschauerraum hustet ein Besucher mehrmals. Muss jetzt der Veranstalter eingreifen und den Besucher aus dem Raum verweisen? Was, wenn der Besucher behauptet, er habe sich verschluckt oder einen allergiebedingten Husten?
  • Und was, wenn ein anderer Besucher bemerkt, dass die Regel nicht durchgesetzt wird und nun seinerseits die Veranstaltung verlassen will und das Eintrittsgeld zurückfordert?

Mein Kommentar zu diesem Beitrag können Sie hier nachlesen.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

Thomas Waetke
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Herausgeber & Autor des Themenportals www.eventfaq.de

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