Die GEMA führt zum Jahresbeginn einen Sondertarif für „Nachwuchskonzerte“ ein. Ein Konzert ist ein Nachwuchskonzert, wenn der Ticketpreis nicht über 20 Euro liegt, die Besucherzahl nicht 300 übersteigt, das Durchschnittsalter der Bandmitglieder nicht über 27 Jahren liegt und mindestens 50% der Musik zum eigenen Repertoire der Bands gehören. Solche Veranstalter zahlen demnach für 2015 nur 4%, in 2016 dann 4,4%, bis hin zu 2020 mit dann 6% der Brutto-Ticketeinnahmen.

Auch ab Jahresbeginn gibt es einen Rabatt von 15% für „Non Profit-Konzerte“, also Veranstaltungen mit religiöser, kultureller oder sozialer Ausrichtung, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen.

Hintergrund:

Die GEMA ist eine Verwertungsgesellschaft, bei der Komponisten und Textdichter Mitglied werden können. Wird ein Komponist oder Textdichter dort Mitglied, schließt er mit der GEMA einen Vertrag, in dem er eine Vielzahl seiner Urheberrechte an die GEMA überträgt. Nunmehr ist die GEMA Inhaber dieser Rechte und kann (bzw. muss) diese gegenüber Musikverwertern (z.B. Radio, TV, Veranstaltern) geltend machen.

Dabei kann die GEMA nicht einfach tun und lassen was sie will: Regelungen für sie gibt es nicht nur im Mitgliedervertrag, sondern u.a. auch im Urheberrechtswahrnehmungsgesetz. Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) ist die Aufsichtsbehörde. Meint ein Musikverwerter, dass ein Tarif überteuert sei, kann er zunächst die Schiedsstelle beim DPMA anrufen, in einem nächsten Schritt Klage vor einem Zivilgericht erheben.

Der Vorteil für den Musikverwerter liegt auf der Hand: Er hat nur einen Ansprechpartner, nämlich die GEMA – zumindest für Musikstücke von Komponisten, die dort oder bei einer ausländischen Verwertungsgesellschaft Mitglied sind. Gäbe es die GEMA nicht, müsste der Musikverwerter mit jedem Rechteinhaber individuell verhandeln.

Eine Verwertungsgesellschaft ist übrigens eine private Organisation und keine staatliche. Wer will, kann also auch eine Verwertungsgesellschaft gründen (er benötigt hierzu allerdings die Erlaubnis durch das DPMA).

In Deutschland gibt es auch eine Verwertungsgesellschaft für die Interpreten (= Künstler, die die Kompositionen auf der Bühne vortragen und interpretieren), das ist die GVL; für Moderatoren gibt es bspw. die VG Wort, für Fotografen die VG Bild usw. Seit kurzem gibt es auch für die Veranstalterleistungsschutzrechte aus § 81 UrhG eine Verwertungsgesellschaft, die Gesellschaft zur Wahrnehmung von Veranstalterrechten mbH.

Eine Übersicht über alle Verwertungsgesellschaften in Deutschland (zurzeit 13) gibt es hier.

Thomas Waetke
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Autor eventfaq
Justitiar des Bundesverbandes Veranstaltungssicherheit (bvvs.org)

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