EuGH entscheidet über Merkmal “vorübergehend” in der ANÜ

Die Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) spielt in der Eventbranche eine wichtige Rolle. Helfer, Hostessen, Techniker usw. sollen für eine bestimmte Zeit beim Auftraggeber eingesetzt werden und dort wie das eigene Personal arbeiten.

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat dem Europäischen Gerichtshof nun mehrere Fragen zur Arbeitnehmerüberlassung vorgelegt. Darunter findet sich auch eine sehr brisante Frage:

“Ist die Überlassung eines Leiharbeitnehmers an ein entleihendes Unternehmen schon dann nicht mehr als „vorübergehend“ im Sinne des Artikel 1 der Leiharbeitsrichtlinie anzusehen, wenn die Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz erfolgt, der dauerhaft vorhanden ist und der nicht vertretungsweise besetzt wird?”

Damit wird auf eine Voraussetzung zur Überlassung in § 1 Absatz 1 Satz 4 AÜG angespielt: Sie darf nur vorübergehend sein. Diese Voraussetzung besteht aber unabhängig von der maximalen Überlassungsdauer von 18 Monaten. D. h. auch eine geringere Überlassungsdauer kann eine nicht vorübergehende Überlassung sein.

Die ANÜ soll arbeitsmarktpolitisch keine Dauerlösung für ein Unternehmen darstellen, sondern eine ausnahmsweise Möglichkeit schaffen, eben vorübergehenden Bedarf zu decken.

Welches Problem sieht das Landesarbeitsgericht?

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg sieht zwei unterschiedliche Argumentationen, weshalb es den EuGH nun um eine Entscheidung bittet:

  1. “Vorübergehend” kann so verstanden werden, dass es ausschließlich auf die individuelle Überlassungsdauer des Leiharbeitnehmers ankommt.
  2. “Vorübergehend” kann aber auch so verstanden werden, dass der Leiharbeitnehmer beim Entleiher nicht auf Dauerarbeitsplätzen ohne Vertretungsbedarf eingesetzt werden darf.

Würde der EuGH die erste Auffassung bejahen, wäre das einfach zu handhaben, indem man einfach eine Befristung vereinbart (was man heute ohnehin bereits tun sollte!).

Anders bei der zweiten Möglichkeit: Der Einsatz von Leiharbeitnehmern auf Dauerarbeitsplätzen beim Entleiher schafft jedoch keine zusätzlichen Arbeitsplätze, sondern ersetzt Stammarbeitnehmer durch Leiharbeitnehmer; und das ist nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg gerade nicht Sinn der ANÜ.

Wir kennen die Problematik übrigens in ähnlicher Weise bereits in Bezug auf den befristeten Arbeitsvertrag. Mehr Hintergrundwissen dazu finden Sie in meinem Beitrag auf unserem Portal rund um das Veranstaltungsrecht.

Thomas Waetke
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Herausgeber & Autor des Themenportals www.eventfaq.de

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