Wann sind Filmaufnahmen urheberrechtlich geschützt?

Die Filmaufnahmen über den Abtransport des am 17.08.1962 an der Berliner Mauer nahe des so genannten Checkpoint Charlie angeschossenen Peter Fechter sind nicht urheberrechtlich geschützt.

Dies hat das Kammergericht Berlin entschieden (Urteil vom 28.03.2012, Az. 24 U 81/11. Das „Kammergericht“ entspricht dem „Oberlandesgericht“ in den anderen Bundesländern).

Die Aufnahmen hatten die für den Urheberrechtsschutz erforderliche Schöpfungshöhe nicht erreicht. Selbst die untere Grenze der Schöpfungshöhe, die so genannte „kleine Münze“, konnte nicht übersprungen werden: Wenn ein Werk ein Minimum an Gestaltungshöhe aufweist und „gerade noch so“ urheberrechtsfähig ist, dann spricht man von der „kleinen Münze“.

Wenn ein Film hergestellt wird, der nur das wirkliche Geschehen im Bild festhält, darf es sich nicht nur um eine „bloß schematischen Aneinanderreihung von Lichtbildern“ handeln – dann wäre die Schöpfungshöhe nicht erreicht. Vielmehr muss sich der Film durch die Auswahl, Anordnung und Sammlung des Stoffes sowie durch die Art der Zusammenstellung der einzelnen Bildfolgen als das Ergebnis individuellen Schaffens darstellen.

Da in den eingangs genannten Filmaufnahmen aber konnte der Ersteller nicht gestalterisch tätig sein und bei der Aufzeichnung konnte keinen Einfluss auf die Lichtgestaltung oder die Bildfolge, welche schlicht durch die chronologische Abfolge der Ereignisse bedingt war, genommen werden. „Auch die Kameraführung war durch das zu dokumentierende Geschehen weitestgehend vorgegeben, denn sie wurde dadurch bestimmt, dass es hauptsächlich darum ging, mit der Kamera dem Abtransport des Peter Fechter zu folgen.“, so das Gericht. Auch eine Nachbearbeitung der Filmsequenz hatte es nicht gegeben.

Thomas Waetke
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht