Verkehrssicherungspflichten in einem Fußballstadion

Wer ein Fußballspiel in einem Stadion besucht, möchte normalerweise möglichst unverletzt wieder herauskommen.

Was muss der Stadionbetreiber tun, damit sich die Besucher im Stadion nicht verletzen? Dazu zwei Beispiele:

1.) Der Treppensturz von Cottbus

In einem Fußballstadion in Cottbus war eine Zuschauerin aufgrund einer unebenen Treppe umgeknickt, gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Die Klage der Zuschauerin auf Schmerzensgeld und Schadenersatz wurde durch das Oberlandesgericht Brandenburg abgewiesen: Es sei zwar tatsächlich eine muldenförmige Unebenheit in der fraglichen Treppenstufe des Stadions. Jedoch hätte ein aufmerksamer Zuschauer dies als mögliche Gefahr erkannt und die Treppe gefahrlos nutzen können. Zudem hätte sich die Zuschauerin an dem Geländer festhalten können. Für die Zuschauerin kam die “Gefahrenstelle” auch nicht überraschend, da es solche Unebenheiten überall im Stadion geben würde und sich die Zuschauerin darauf hätte einstellen können und müssen.

2.) Der Treppensturz von Frankfurt/Main

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte die Klage eines Zuschauers zurückgewiesen, der bei einem Fußballspiel durch das Zünden eines Böllers einen Hörschaden davon getragen hatte.

Der Zuschauer hatte auf Schadenersatz und Schmerzensgeld geklagt, da er der Auffassung war, dass der Veranstalter seinen Verkehrssicherungspflichten nicht ausreichend nachgekommen sei.

Das Oberlandesgericht sah dies anders: Zum damaligen Zeitpunkt habe der Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die seinerzeit üblich waren. So wurden bspw. die Zuschauer an den Eingängen durchsucht. Der Einsatz von Detektoren war seinerzeit noch nicht üblich und das Sicherheitskonzept entsprach dem nationalen und internationalen Standard.

Diese Urteile zeigen, dass der verkehrssicherungspflichtige Betreiber des Stadions nicht für jeden Unfall verantwortlich ist. Wie schon an anderer Stelle mehrfach dargestellt,

  • muss der Betreiber/Veranstalter das Erforderliche und Zumutbare unternehmen, um Schäden von seinem Besucher fernzuhalten,
  • er darf dabei aber davon ausgehen, dass er es mit einem durchschnittlich aufmerksamen und vernünftigen Besucher zu tun hat.

Dies ist der Grundsatz. Handelt es sich um extreme oder wenig ersichtliche Gefahren, kann sich das natürlich verändern und dem Betreiber bzw. Veranstalter kann eine etwas höhere Fürsorgepflicht auferlegt werden: Je größer die Gefahr bzw. je weniger die Gefahr für den Besucher ersichtlich, desto mehr muss der Betreiber tun, um die Gefahr zu minimieren (= desto mehr ist erforderlich und zumutbar).

Thomas Waetke
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Autor www.eventfaq.de