LG Düsseldorf: DDos-Angriff ist strafbare Computersabotage.

Soweit erkennbar erstmals hat sich ein deutsches Gericht mit der Frage der Strafbarkeit so genannter „distributed Denial of Service“, kurz: DDos, Angriffe beschäftigt (LG Düsseldorf, Urteil vom 22.03.2011, Az.: 3 KLs 1/11).

Der Angeklagte drohte sechs Internetanbietern von Pferdewetten, er werde in der Hauptzeit der Wettsaison deren Internetauftritte durch DDos-Angriffe lahmlegen, es sei denn die Anbieter würden ihm eine bestimmte Summe, jeweils bis zu 2.500,00 Euro, zahlen. Damit seine Drohung glaubwürdiger wird, hatte er bereits zeitweise die Internetportale der Wettanbieter blockiert. Der Angeklagte nutzte hierfür ein Botnetz, das er in Russland eigens zu diesem Zweck angemietet hatte. Von dem russischen Server aus wurden die dem illegalen Botnetz zugehörigen Privat-Rechner missbraucht, um die Webseiten der Wettanbieter mit Anfragen zu überfluten und damit lahmzulegen. Immerhin drei der sechs Wettanbieter hatten bezahlt. Insgesamt schätzen die sechs Firmen ihre Umsatzausfälle auf bis zu 350.000,00 Euro.

Das Landgericht Düsseldorf hat in seinem Urteil vom 22.03.2011 den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt wegen gewerbsmäßiger Erpressung und gewerbsmäßiger Computersabotage. Der Angeklagte habe durch die Attacken Daten in der Absicht übermittelt, den betroffenen unternehmen einen Nachteil zuzufügen. Dadurch habe er den Betrieb der Wettportale gestört, die von einigem Wert seien. Somit habe er sich – neben einer Erpressung – auch einer Computersabotage (§ 303b des Strafgesetzbuches) schuldig gemacht.

Fazit:

Damit liegt erstmals eine strafrechtliche Einschätzung diese DDos-Angriffe vor, die zu begrüßen ist. Gerade die strafrechtlichen Konsequenzen sind geeignet, zumindest ein wenig Abschreckung zu erzielen. Zivilrechtlich wird zwar auf den Angeklagten sicherlich noch einiges zukommen, da die Wettanbieter versuchen werden zumindest einen Teil des Schadens zurück zu bekomme. Im Zweifel dürfte aber dort nichts zu holen sein.

Timo Schutt
Rechtsanwalt & Fachanwalt für IT-Recht