Gericht: Sturz vom Prügelbalken ist Lebensrisiko

Bei einem traditionsreichen Volksfest in Lingen (Niedersachsen) war ein Besucher von einem so genannten „Prügelbalken“ gefallen und hatte sich dabei verletzt. Dabei sitzen zwei Personen auf einem Holzbalken und versuchen, sich gegenseitig mit gepolsterten Säcken herunter zu stoßen.

Der Besucher spielte dieses Spiel mit seiner Freundin – und musste einige Schläge einstecken, bevor er 1,5 Meter tief vom Balken fiel. Dabei verletzte er sich, obwohl der Boden mit Stroh ausgelegt und gepolstert war.

Der verletzte Besucher verklagte den Volksfestveranstalter vor dem Landgericht Osnabrück auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Das Landgericht Osnabrück hat die Klage nun abgewiesen, da nach seiner Auffassung der Veranstalter seine Verkehrssicherungspflichten nicht verletzt hatte.

Die Gefährlichkeit des Spiels war offensichtlich; es war für den Besucher auch ersichtlich, dass er sich selbst dann würde verletzen können, wenn er und sein Spielpartner sich regelgerecht verhalten würden.

Zudem habe der Veranstalter eine ausreichend dicke Schicht Stroh ausgelegt. Bei dem Unfall habe sich das „allgemeine Lebensrisiko“ des Besuchers verwirklicht. Der Veranstalter hätte auch nicht etwa weiche Bodenschutzmatten auslegen müssen, da dies dem Charakter des Volksfestes widersprochen hätte und sie vermutlich auch die Verletzungen nicht verhindert hätten.

(LG Osnabrück, Urteil vom 27.02.2012, Az. 2 O 2331/11)

Fazit:

Ein Veranstalter ist verkehrssicherungspflichtig. Dabei muss er das Erforderliche und Zumutbare tun, um einen Schaden zu verhindern. Auf der anderen Seite darf er mit einen durchschnittlich aufmerksamen und sorgfältigen Besucher rechnen.

Je größer die Gefahr und je weniger die Gefahr sichtbar, desto mehr muss der Veranstalter unternehmen.

Je mehr sich die Gefahr dem Besucher aber aufdrängt und er ihr unschwer ausweichen kann, desto mehr ist er für sich selbst verantwortlich.

Thomas Waetke
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
Autor www.eventfaq.de