Fotos der Beuys-Aktionskunst dürfen nicht ausgestellt werden

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat eine für Fotografen wichtige Entscheidung getroffen: Wenn eine künstlerische Aktion fotografiert und die Fotos später verwertet werden, so ist dafür die Zustimmung des Künstlers erforderlich.

Hintergrund der Entscheidung war ein Streit zwischen der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und der Stiftung Museum Schloss Moyland. Die Stiftung hatte in einer Ausstellung Fotos eines Fotografen gezeigt, der 1964 eine künstlerische Aktion von Joseph Beuys fotografiert hatte.

Das OLG Düsseldorf hat entschieden, dass es sich bei den Fotos um eine genehmigungspflichtige Umgestaltung, und nicht um eine freie Bearbeitung der Beuys-Kunst gehandelt hat. Für die Fotoausstellung aber hätte Beuys bzw. seine Erbin zustimmen müssen.

Zur Begründung führte das OLG aus, dass die Fotos die Aktion so getreu wiedergeben würden, dass das keine freie Bearbeitung mehr sein könne. Der Fotograf habe nämlich auch die Handlungsabläufe, sowie die besondere Form der Anordnung der Gegenstände abgelichtet.

(OLG Düsseldorf, Urteil vom 30.12.2011, Aktenzeichen I-20 U 101/09)

Fazit:

Das OLG hat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Bleibt es bei der Entscheidung bzw. wird sie vom BGH bestätigt, hat sie erheblichen Einfluss auf die Arbeit von Fotografen, die Kunstaktionen, Ausstellungen und dergleichen ablichten.

Natürlich hat das OLG hier einen Einzelfall entschieden und jede andere Fotoaufnahme einer anderen Aktionskunst könnte anders bewertet werden. Es ist jedenfalls erhebliche Sorgfalt für den Fotografen und den Verwerter dieser Fotografien geboten: Im Vorfeld muss sorgfältig geprüft werden, ob eine zustimmungsfreie Bearbeitung (§ 24 UrhG) oder eine genehmigungspflichtige Bearbeitung (§ 23 UrhG) vorliegt.

Thomas Waetke
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht