Die bekannte Hochspringerin Ariane Friedrich hat über ihren Facebook-Account eine unanständige Nachricht mit einem anscheinend wenig appetitlichen Bild eines männlichen Glieds bekommen und veröffentlicht daraufhin neben der Nachricht auch Name und Wohnort des Absenders. Diese Meldung geht heute wie ein Lauffeuer durch die Medien.

Damit hat sie viel Lob, aber auch Kritik einstecken müssen.

Und immer wieder taucht die Frage auf: Darf sie das überhaupt?

Nun, als Polizistin sollte sie zunächst wissen, dass Selbstjustiz noch nie eine gute Idee war.

Strafbarkeit wohl zu verneinen

Strafbar dürfte sie sich nicht gemacht haben, jedenfalls wenn sie den Sachverhalt wahrheitsgemäß berichtet. Dann liegen zumindest keine Beleidigung oder Verleumdung des Absenders der Nachricht vor. Nach verschiedenen Pressemeldungen zu urteilen gibt es aber wohl mindestens zwei Personen, auf die die Angaben (Name & Adresse) zutreffen. Dann könnte der zweite eventuell Strafanzeige wegen Verleumdung stellen. Dann müsste man aber Frau Friedrich nachweisen, dass sie „wider besseres Wissen“ einen Unschuldigen an den Pranger gestellt hat. Das wird man ihr kaum vorwerfen können.

Es fehlt aber auf jeden Fall auch am so genannten subjektiven Tatbestand. Da es eine fahrlässige Verleumdung nicht gibt, müsste man ihr Vorsatz nachweisen, also dass Sie bewusst und in Kenntnis der Verleumdung gegenüber der unschuldigen Person („wider besseres Wissen“) gehandelt hat. Daran wird eine Strafbarkeit hier sicher scheitern.

Persönlichkeitsrechtsverletzung wohl eher gegeben

Zivilrechtlich kann es aber anders aussehen. Auch der Absender der Nachricht hat ein allgemeines Persönlichkeitsrecht. Und dieses könnte hier verletzt worden sein. Immerhin ist der Inhalt seiner Mail nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen und erkennbar nur an die Empfängerin gerichtet worden. Auch wenn diese sich – zu Recht – über den Erhalt der Mail aufregt, dürfte es hier doch nicht zulässig sein, den Inhalt und vor allem damit verbunden Namen und Wohnort des Absenders zu veröffentlichen. Immerhin darf Frau Friedrich auch nicht automatisch davon ausgehen, dass die Angaben stimmen. So kann tatsächlich der Facebook-Account des vermeintlichen Absenders gehackt worden sein. Oder es handelt sich um ein Fake-Profil, das eben dem Namen einer real existieren Person entspricht, aber eben nicht von dieser stammt. Es gilt eben auch hier erst einmal die Unschuldsvermutung.

Gerade diese Prangerwirkung im Internet wird hierbei immer mehr zum Problem, da eine Vorverurteilung – sie ja letztendlich damit auch gewollt ist – nicht zu vermeiden sein dürfte.

Es kann also gut sein, dass der Absender der Nachricht aus diesem Gesichtspunkt heraus Unterlassung und – aufgrund des Inhalts der Mail und der nachvollziehbaren Reaktion allerdings ein sehr geringes – Schmerzensgeld bekommen könnte.

Unsere Meinung

Wer eine solche Nachricht erhält, kann und sollte den Absender blockieren/ignorieren, wenn dies über die Plattform möglich ist und sich anwaltlich beraten lassen. Ein Anwalt kann prüfen, ob es sich um eine straf- oder zivilrechtlich verfolgbare Handlung handelt und wird die nötigen Schritte einleiten. Von einer Eigeninitiative, wie sie in diesem Fall an den Tag gelegt wurde, raten wir jedenfalls ab.

Timo Schutt
Rechtsanwalt
Fachanwalt für IT-Recht